Siemens treibt NEOM voran: Milliardenaufträge und grüner Wasserstoff aus Saudi-Arabien

Die Wüste wird grün: Siemens als Technologiepartner von NEOM
Der saudische NEOM-Komplex, ein Prestigeprojekt am Roten Meer, nimmt immer konkretere Formen an. Der deutsche Technologiekonzern Siemens spielt dabei eine Schlüsselrolle – und profitiert doppelt: von Milliardenaufträgen und vom Imagegewinn als Vorreiter nachhaltiger Technologien. Schon 2025 wurden Verträge im Volumen von über 5 Milliarden Euro unterzeichnet, und für 2026 sind weitere Großprojekte geplant.
Von Berlin nach Riad: Die strategische Partnerschaft
Die Kooperation zwischen Siemens und NEOM ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis jahrelanger diplomatischer und wirtschaftlicher Annäherung zwischen Deutschland und Saudi-Arabien. Bereits 2023 besuchte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Berlin, um die Zusammenarbeit in den Bereichen erneuerbare Energien und Digitalisierung zu vertiefen. Siemens-Chef Roland Busch betonte damals: „NEOM ist mehr als ein Bauprojekt – es ist ein Labor für die Zukunft der Stadt.“

Die Bausteine: Elektrifizierung, Automatisierung, grüner Wasserstoff
Die Siemens-Aufträge in NEOM umfassen drei Säulen:
- Elektrifizierung: Siemens liefert die komplette Strominfrastruktur für die erste Phase der Stadt, einschließlich intelligenter Netze und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
- Automatisierung: In der Industrieanlage OXAGON, einer der drei NEOM-Regionen, werden Siemens-Systeme zur Produktionssteuerung eingesetzt – von der Entsalzungsanlage bis zur Roboterfabrik.
- Grüner Wasserstoff: Das Herzstück ist die weltweit größte Wasserstoffanlage, die Siemens mit Elektrolyseuren vom Typ Silyzer ausstattet. Diese sollen künftig mit Solar- und Windenergie betrieben werden und jährlich bis zu 600.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren.
Wirtschaftlicher Rückenwind für Deutschland
Die NEOM-Aufträge bedeuten für den Siemens-Standort Deutschland eine Auslastung der Werke in München und Erlangen. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an den Projekten. Zudem stärken sie die Exportbilanz: Maschinen, Software und Know-how „Made in Germany“ werden in die Wüste geschickt. Der Bundesminister für Wirtschaft Robert Habeck sagte bei einem Besuch in Riad: „Die Partnerschaft mit NEOM ist ein Beispiel dafür, wie deutsche Technologie die globale Energiewende vorantreibt – und gleichzeitig unseren Mittelstand stärkt.“

Kritik und Risiken
Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Arbeitsbedingungen auf den NEOM-Baustellen. Berichten zufolge sind Tausende Gastarbeiter aus Südostasien unter prekären Bedingungen beschäftigt. Siemens weist die Vorwürfe zurück und verweist auf eigene Compliance- und Nachhaltigkeitsstandards, die auch für Zulieferer gelten. Zudem ist die Zukunft von NEOM ungewiss: Die gigantischen Kosten – geschätzt auf über 500 Milliarden Dollar – und die technischen Herausforderungen in der Wüste könnten zu Verzögerungen führen. Analysten sehen jedoch auch Chancen: Sollte NEOM gelingen, würde es zum Vorbild für andere Wüstenstaaten.
Ausblick: Siemens als Brückenbauer
Für Siemens ist NEOM nicht nur ein Geschäft, sondern auch eine Teststrecke für Innovationen. Die gesammelten Erfahrungen mit autonomen Transportsystemen, KI-gesteuerter Logistik und nachhaltiger Energieversorgung sollen später auch in europäischen Städten eingesetzt werden. So könnte das Wissen aus der Wüste dereinst den Weg in deutsche Kommunen finden – ein echter Gewinn für beide Seiten.
Die Redaktion von Eagle KSA (صقر الجزيرة) wird die Entwicklungen weiter beobachten und berichten.